
Das war es mit PennerVZ…
Pünktlich zum Tag der Armut 2.0 am 24. Dezember 2006 geht die Seite vom Netz.
PennerVZ, entstanden aus einer Mensa-Laune, ist zu einem Erfolg geworden, der meine Vorstellungen übertroffen hat. In so einem Fall helfen nur Zahlen. Laut Google Analytics haben seit dem Bestehen der Seite über 1. Mio Menschen die Seite besucht und ungefähr 5,5 Mio. Seitenabrufe generiert. Das sind Zahlen für eine Seite, die Anfang November online gegangen ist. Wie fing das ganze eigentlich an?
Die Vorgeschichte möchte ich an dieser Stelle nicht noch einmal erzählen, diese findet sich sehr ausführlich im Interview Blog bei Klaus-Martin Meyer.
Ich möchte hier vielmehr ein kleines Résumé ziehen, um mir selbst Klarheit darüber zu verschaffen, wie dieses Projekt in solch kurzer Zeit solch einen, darf ichs sagen?, “gewaltigen” Bekanntheitsgrad entwickeln konnte. Denn mit dem ersten Kommentar, den ich auf einem Blog hinterließ, entwickelte sich PennerVZ zu einem Selbstläufer. Und danach ist mir nicht ganz klar, wie sich das genau weiterentwickelt hat.
Unter dem Pseudonym Rudolf R., später Rudi Ratzke, hinterließ ich auf mehreren Blogs zu Einträgen, die sich mit dem Social Network “StudiVZ” befassten, meine Spuren. Am nächsten Tag hatte der Blogger Andreas Dittes, die Story aufgegriffen und einen Bericht über PennerVZ auf seinem Blog veröffentlicht. Durchaus mit Kritik gespiekt. Der erste Lebenstag des PennerVZ war vorüber und hatte 172 Besucher mit sich gebracht.
Von Klaus-Martin Meyer kam eine Interviewanfrage. Die ersten Blogger, darunter Kolja Hebenstreit, griffen das Thema auf und berichteten über PennerVZ. Teils positiv, teils negativ waren die Reaktionen und ich fand mich als “Krisenmanager” meiner eigenen Seite wieder. Ich war davon ausgegangen, für jeden wäre dieser “schwarze Humor” auf den ersten Blick ersichtlich. Sehr naiv, mein Fehler. Ab sofort war ich mehrere Stunden täglich damit beschäftigt, Zweifler und berechtigte Kritiker von der Idee hinter PennerVZ zu überzeugen. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht abzusehen, mit welchen Problemen StudiVZ, das PennerVZ parodierte, zu kämpfen haben würde.
Später erwähnten Robert Basic von BasicThinking und Karsten Wenzlaff in ihrer Berichterstattung über die Vorfälle bei StudiVZ mit schöner Regelmäßigkeit auch das PennerVZ. Robert Basic erfand einen Venture Capital Geber. Ich griff die Story auf und Steigeneck Capital war geboren, die angeblich mit 25 Mio. Euro bei PennerVZ eingestiegen waren.
Immer mehr Blogs veröffentlichten nun kurze Beiträge zu PennerVZ, mittlerweile kamen die ersten Besucher auch von regionalen und überregionalen Portalen. Von da an wurden in vielen Blogeinträgen, die sich mit StudiVZ beschäftigten, auch Hinweise auf das “CopyCat” PennerVZ geliefert. Die Besucherzahlen stiegen kontinuierlich an.
Dann fand das PennerVZ Erwähnung im zu diesem Zeitpunkt schon gehörig gebeutelten und obendrein gut frequentierten StudiVZ Blog und bescherte der Seite mehr als 50.000 Besucher. In den Kommentaren bei Wallstreet online, Heise.de, Onlinekosten.de, Golem.de und anderen IT-Portalen, die Beiträge zu Social Networks brachten, erschienen Hinweise auf das PennerVZ.
Wie versprochen, wird das PennerVZ am 24. Dezember 2006 auf die Webseite einer gemeinnützigen Organisation umgeleitet.
Und die Gründe für den “Erfolg”?
Häme der Blogger? Bestimmt. In vielen Beiträgen zur brenzligen Situation des StudiVZ wurde den Gründern des Studentennetzwerks schon einmal angeraten, sich für die Zeit nach StudiVZ bei PennerVZ anzumelden.
Lustig? Vielleicht auch. Viele Besucher haben die Seite als Persiflage auf StudiVZ auf- und angenommen und nicht an der Oberfläche gekratzt. In Anlehnung an Technorati: “55 million blogs… some of them have to be good” gehe ich davon aus, dass einige aber doch an der Oberfläche gekratzt haben. Und deren Emails und Reaktionen taten gut. Da waren ehemalige Obdachlose, Hartz IV Empfänger und auch Menschen, die nur wissen wollten, wer hinter PennerVZ steckt.
Andere Gründe? Da bin ich momentan ein wenig ratlos… Vielleicht fällt jemand anderem etwas dazu ein?
(wird fortgesetzt)
5 Comments
Mein lieber Scholi,
das mit dem PennerVZ hat anscheinend richtig eingeschlagen…
ich denk manche Dinge kann man nicht ganz erklären… vielleicht ist es wie in der Liebe (!?)…
… Fehlt da nicht noch ein Punkt in der pennerVZ Story ? :-))
Hallo Marco,
in der Tat, da fehlen noch einige Punkte. Ich sehe den Beitrag eher als Work-In-Progress, um mir einen Überblick zu schaffen.
Grüssle,
Andreas
Gibt es ein “Sich-Drücken-vor-dem-Erfolg”?
@ Andreas Loher:
Das bedarf noch einer kurzen Ausführung von Dir, um es zu verstehen
2 Trackbacks
[...] Euer Rudi [...]
[...] PennerVZ, der größte ernstzunehmende Konkurrent von StudiVZ, sagt Winke-Winke. Schade, ich musste herzlichst schmunzeln über die Idee, aber Andreas Jacob hat anscheinend die Nase voll von seinem Überraschungshit und will die Seite, wie versprochen, an Heilig Abend auf die Webseite einer gemeinnützigen Organisation umleiten. Nette Geste, aber leider aus meiner Sicht eine ziemliche Verschwendung. Nicht nur aus SEO-Sicht betrachtet, sondern auch wegen des dergestalt verpuffenden gemeinnützigen Wirkungsquerschnitts. [...]